Das Abenteuer ist vorbei, nun genießt die 16-Jährige ihren in Afrika erzielten Erfolg. Kaum in der Heimat gelandet, wird sie am Samstagabend in der Böblinger Therme mit großem Bahnhof empfangen.
Im Eingangsbereich der Therme zwischen Kasse und Restaurant versammelt sich eine Menschentraube. Die Faustball-Gemeinde aus Böblingen hat sich eingefunden, um ihr neues Aushängeschild hochleben zu lassen. Zwar spielt Steffi Dannecker inzwischen nicht mehr für den TV 1845 Böblingen sondern für den TSV Calw in der 2. Bundesliga - doch Familie bleibt Familie. Und die vergisst nicht, wo die Wurzeln ihres sportlichen Erfolgs liegen. Für alle Gratulanten sichtbar dokumentiert in drei großen Bilderrahmen, bestückt mit Fotos und Zeitungsberichten.
Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang ist zusammen mit seinem Sportamtsleiter Josef Fischer gekommen, um der jungen Faustballerin zu gratulieren. Interessiert wirft er einen Blick auf die Schautafeln, dann macht er sich ans Händeschütteln. "So sieht also eine Vizeweltmeisterin aus", sagt er und mustert die junge Faustball-Nationalspielerin von Kopf bis Fuß. Dann fügt er hinzu: "Steffi, wir sind stolz auf Dich." Im Gepäck hat er zahlreiche Geschenke. Zwei Schecks übergibt er an den Vorsitzenden des TV 1845 Böblingen, Karl-Heinz Hirner, einen Blumenstrauß und ein Poloshirt der Stadt an Steffi Dannecker. Die nimmt den ganzen Trubel um ihre Person ebenso stolz wie schüchtern an, quittiert sämtliche Lobeshymnen, die auf sie herunterprasseln mit einem stillen Lächeln.
Gerade erst ist die Realschülerin wieder aus Namibia zurückgekehrt, wurde direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland vom Münchner Flughafen in die Therme gekarrt. Zeit, ihre WM-Eindrücke zu verarbeiten hatte sie bislang noch nicht. Zu vielfältig war all das, was sie in den zweieinhalb Wochen in Afrika erlebt hat. "Dort ist alles ganz anders, angefangen beim Wetter. Es war warm, wir haben uns gesonnt", berichtet sie schmunzelnd und zeigt auf ein paar Sommersprossen auf ihrem Gesicht, die sie mit nach Hause genommen hat. "Ansonsten haben wir viel gesehen. Wir durften mit einem Quad durch Sanddünen brettern, haben bei einer Safari im Nationalpark Tiere in der Wildnis, auch Löwen, beobachtet. Und natürlich waren wir in Swakopmund, der Stadt in der die WM stattgefunden hat, unterwegs. Shoppen."
Im Mittelpunkt der Reise stand indes die Weltmeisterschaft. Und die begann für Steffi Dannecker und ihre Nationalmannschafts-Kolleginnen holprig. Mit einer Niederlage. "Wir haben gleich zum Auftakt gegen Österreich verloren", erzählt die Angriffsspielerin. "Das war so nicht geplant. Aber wir waren in diesem Spiel einfach nicht gut. Vielleicht etwas zu nervös." Besser lief's anschließend in den Partien gegen die Schweiz, Namibia und besonders gegen Brasilien. Im Halbfinale wurde die Schweiz erneut bezwungen, ehe im Endspiel wieder die Österreicherinnen gegenüberstanden. Und wieder ging dieses Duell in die Binsen. Gehörig sogar. Vor vollbesetzten Zuschauerrängen hatte die deutsche Mannschaft in allen drei Sätzen nicht den Hauch einer Chance, unterlag glatt. "Bei uns lief nichts zusammen. Den Österreicherinnen gelang alles", blickt sie achselzuckend zurück. "Ich wollte zwar unbedingt Weltmeisterin werden. Doch über den Gewinn der Silbermedaille bin ich auch glücklich."
Zeit, um diesen Erfolg in vollen Zügen zu genießen, bleibt der Dagersheimerin nicht. In dieser Woche stehen in der Schule wichtige Prüfungen an, nächste Woche will sie dann wieder ins Training einsteigen. Und sich dann wieder nicht nur auf Faustball konzentrieren, sondern sich auch ihrem zweiten sportlichen Steckenpferd, dem Handball, widmen. Immerhin ist Steffi Dannecker Mitglied der weiblichen B-Jugend-Mannschaft der HSG Schönbuch, die an der Spitze der Oberliga steht. Und zudem dürfte sie nun, da sie Ende Dezember 16 geworden ist, bei den Frauen der HSG in der Württemberg-Liga mitmischen. "Ich freue mich darauf", sagt sie. Wohl wissend, dass sich Arbeit und Trainingsfleiß auszahlen können. Wer kann schließlich schon von sich behaupten, in Afrika eine Vizeweltmeisterschaft gewonnen zu haben?


